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Aktuelles vom Steinacher Storchenhorst

Juni 2021

Unser Steinacher Storchenpaar

    Bilder Manuel Sieber

2021 05 29 Storch Foto Manuel Sieber 1 Ausschnitt

Das Steinacher Storchenpaar ist eines von nur 8 Storchenpaaren, die derzeit im Landkreis Straubing-Bogen und in der Stadt Straubing regelmäßig brüten. Die weiteren Storchenpaare in unserer Gegend brüten in Bogen, Schwarzach, Niederwinkling, Geiselhöring, Pfaffenberg, Laberweinting und in Straubing. Insgesamt nahm die Anzahl der Brutpaare in Bayern in den letzten Jahren deutlich zu: Waren es im Jahr 2000 gerade mal ca. 120 Brutpaare, brütenden 2019 bereits 631 Storchenpaare in Bayern. Mehr als die Hälfte davon brüten in Schwaben (220) und Mittelfranken (160), in diesen beiden Regierungsbezirken steigt die Anzahl der Storchenbrutpaare jedes Jahr beträchtlich, dagegen brüten in ganz Niederbayern nur 38 Storchenpaare mit nur leicht steigender Tendenz.
Am Steinacher Horst begann das heurige Storchenjahr früh, schon am 1.2. erschien der erste Storch und besetzte den, seit 2010 nun jedes Jahr belegten Horst oben am Kamin der ehemaligen Schlossbrennerei. Schon am 5.2. kam der zweite Storch, wahrscheinlich das Weibchen.
Eigentlich waren die beiden Altvögel letztes Jahr gar nicht weggeflogen. Mitte August 2020 waren die beiden, erfolgreich aufgezogenen Jungstörche in einem Trupp von über 10 Jungstörchen, begleitet von 3 oder 4 Altstörchen auf die Reise ins Winterquartier nach Afrika (oder nur Spanien?) losgeflogen. Die beiden Altstörche blieben erstmals, seit wir Störche in Steinach haben, hier und waren fast den ganzen Winter am Horst oder auf den Wiesen und Feldern in der Nähe von Steinach zu beobachten. Schon lange weiß man, dass die Kälte den Störchen nichts anhaben kann. Solange der Boden offen und nicht hartgefroren ist, finden Störche auch noch genug Nahrung. Die Klimaveränderung mit immer kürzer werdenden strengen Frostperioden in unserer Gegend nutzen immer mehr Störche dazu, sich nicht mehr auf den langen, beschwerlichen und gefährlichen Weg in ihre Winterquartiere in Afrika zu machen, sondern bleiben in der Nähe ihrer Horste hier in Süddeutschland. Wenn es dennoch ein paar Tage starken Frost hat, weichen sie aus und fliegen nur noch bis zum Bodensee, der schon seit 1963 nicht mehr zugefroren war, oder in die Rheinebene bei Freiburg. Sobald es wieder schnee- und frostfrei ist, kommen sie rasch in ihre angestammten, hiesigen Brutreviere zurück. So machten es unsere Steinacher Altstörche erstmals heuer auch. Lediglich vom 7. Januar, als die Kältewelle kam mit starkem Frost um minus 10/12 Grad und ordentlich Schnee fiel, waren beide Störche plötzlich verschwunden. Am 1. Februar erschien der erste Storch wieder putzmunter am Horst und am 5. Februar folgte ihm der Zweite. Wo genau die beiden waren, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich sind sie nur bis zum Tierpark nach Straubing geflogen und haben sich dort die drei Wochen im Freigehege für die Stelzenvögel zusammen mit den Flamingos durchfüttern lassen. Vielleicht sind sie auch kurz zum Bodensee geflogen, für Störche nur ein Flug von 2 Tagen.

 


Jedenfalls waren beide am 17.2. wieder zurück, führten eifrig die notwendigen Reparaturen am Horst durch und begannen anfangs März mit der Balz und den ersten Betretungen. Mitte März war dann Brutbeginn, ersichtlich dadurch, dass durchgehend immer ein Vogel im Horst saß und erst vom Horst wegflog, um für sich selbst Nahrung zu suchen, wenn der andere bereits gelandet war und die Brutablösung übernahm.
In den letzten Apriltagen war dann klar: Unser Steinacher Storchenpaar hat Junge bekommen!
Am 20.4. standen beide Altstörche für längere Zeit im Horst, blickten nach unten und begannen mit den Schnäbeln kleine Teile aus dem Horst zu werfen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Brut beendet ist und sich Jungstörche im Horst befinden. Die lange, gut 30-tägige Brutzeit, die ca. am 18. März begonnen hatte, hatte sich gelohnt. Aber wie viele Jungvögel haben sie? Das ist in unserem Steinacher Horst nicht leicht erkennbar, weil der Schlot 32 m hoch ist und mit den höchsten Punkt im Ort bildet, sodass man nicht von oben in den Horst hineinschauen kann.


2021 05 29 Storch Foto Manuel Sieber 2Ausschnitt wwwAm 26.4. konnte ich den ersten Jungstorch, am 29.4. einen zweiten und am 2.5. einen dritten und vierten erkennen, als sie ihre kleinen Schnäbel über den Horstrand hinaus in die Höhe reckten, als die Eltern mit Futter im Schnabel am Horst landeten.
Nun wurden die Nestlinge von beiden Altstörchen mehrmals am Tag mit Futter versorgt, wobei immer ein Altstorch zur Sicherung am Horst verbleibt. Anfangs sind die Jungvögel nicht voll befiedert und müssen vor den heuer lange Zeit im Mai herrschenden, kühlen Temperaturen, vor allem in der Nacht und bei Regen geschützt werde. Dazu sitzt dann immer wieder für längere Zeit ein Altstorch im Horst und breitet sein Gefieder über die Jungstörche aus, um die Küken zu wärmen und vor Regen zu schützen. Das Brustgefieder der Altstörche erscheint in dieser Zeit braun verschmutzt, da im Horst jetzt Nahrungsreste und der Kot der Jungstörche herumliegen. Fleißig waren die Altstörche bemüht, im Horst für Sauberkeit und damit Trockenheit zu sorgen, in dem sie immer wieder mit ihren langen Schnäbeln den Kot und ausgewürgte Futterreste im hohen Bogen aus dem Horst schmeißen. Sie bringen nicht nur frisches Futter, sondern auch trockenes Nistmaterial, wie z.B. Altgras zum Horst hinauf, um für eine trockene Unterlage im Horst zu sorgen. Anfangs brauchen die Jungstörche kleine Futterbröckchen. Da die langen Storchenschnäbel denkbar ungeeignet sind, um Nahrung zu zerkleinern, bringen die Altstörche anfänglich nur kleines Getier, wie z.B. Würmer, Käfer und Insektenlarven den Jungstörchen zum Fraß mit oder sie würgen von ihnen schon einmal verschluckte, etwas anverdaute Nahrung wieder aus, damit sie in die kleinen Schnäbel passt.


Leider wurde am 17.5. ein toter Jungstorch unten am Horst gefunden. Wahrscheinlich wurde er doch ein Opfer der langanhaltenden Nässe- und Kälteperiode und der Kadaver wurde von den Altstörchen kurzerhand aus dem Horst geworfen.
Eine ornithologische Besonderheit hat unser Steinacher Storchenhorst noch aufzuweisen: Die Störche haben seit Jahren eine kleine Dohlen Kolonie als Untermieter. Die kleinen Rabenvögel mit dem hübschen, hellgrauen Nackengefieder nutzen den unteren Teil des Horstes zur Brut. Man sieht sie genauso eifrig unten in das Astgewirr des Storchenhorstes reinschlüpfen und dort ihren Jungvögeln Nahrung in die Nester tragen.


Wie geht`s nun weiter oben am Steinacher Storchen Horst?
Nahrung in Form von Kleingetier, wie Würmer und Insektenlarven werden die Altstörche in ihrem großen Revier um Steinach herum wohl ausreichend finden. Probleme könnte höchstens noch das heuer weiterhin anhaltende nasskalte Wetter bringen. Wenn sie diese kalte Wetterperiode gut überstehen, werden die drei nun etwa taubengroßen Jungstörche nach 1 - 2 Wochen stehen können und dann kann man sie gut im Horst erkennen. Die Altstörche können dann größere Beutetiere, wie Mäuse und Frösche den Jungtieren bringen. Die Jungstörche werden nach ca. 3 Wochen beginnen mit den Flügeln zu schlagen, um ihre Muskeln zu trainieren, Mitte Juni stehen dann die ersten Flugversuche an. Dabei versuchen sie oben am Horst mal kurz gegen den Wind leicht abzuheben, um das Gefühl zu bekommen, in der Luft getragen zu werden. Ende Juni sollten die Jungstörche flügge sein. Dann können sie die Eltern endlich begleiten, hinaus in die Mooswiesen oder hinter ins Steinachbachtal, um selbst zu lernen, nach Futtertieren zu suchen. Wir werden sie dann sehen, wie sie nahe hinter den Erntemaschinen oder den pflügenden Traktoren her schreiten, weil dort leichte Beute in Form von Insekten und herausgepflügten Mäusen auf sie wartet. Hoffentlich klappt bei allen Jungstörchen der erste Flug, denn es kam schon einmal vor in Steinach, dass einer der Jungstörche bei seinem ersten Flug in einem der Hausgärten landete und von dort nicht wieder wegfliegen konnte.
Bis dahin ist zu hoffen, dass keine weiteren langen Regen- und Kälteperioden oder vehemente Stürme kommen, wie damals am 25.6.2016, als ein Jungstorch aus dem Horst geweht wurde und beinahe der ganze Horst herunterfiel.
Ende Juli, Anfang August sammeln sich dann größere Trupps von 15 – 20 Jungstörchen aus der näheren Umgebung, um, begleitet von ein paar wenigen Altstörchen, die weite Reise ins Winterquartier in Afrika anzutreten. Oder sie wählen, wie im vergangenen Winter, wieder die einfachere Variante der Überwinterung, wie es immer mehr Störche im Zuge der bereits stattgefundenen Klimaveränderung machen, und fliegen nur noch bis Südfrankreich oder Spanien oder vielleicht bleiben sie sogar einfach wieder hier und verbringen den ganzen Winter bei uns in Steinach, wie es unser Altvogelpaar 2020/21 das erste Mal erfolgreich machte. Schau ma mal!

Dr. Thomas Grundler
Horstbetreuer des LBV


 

2020 04 07 Brueten 1

 04.05.2021

Neues vom Steinacher Storchenpaar

Unser Steinacher Storchenpaar (hier ein Bild von 2020) hat Junge bekommen!

Es sind 3 Jungstörche im Horst zu erkennen, die geschlüpft sind. 
Am 20.4.2021 standen beide Altstörche für längere Zeit im Horst, blickten nach unten und begannen kleine Teile aus dem Horst zu werfen, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Brut beendet ist und sich Jungstörche im Horst befinden. Die lange 30 - 32 tägige Brutzeit, die ca. am 18. März begonen hatte, hat sich gelohnt.
Am 26.4.2021 konnte ich den ersten Jungstorch, am 29.4.2021 den zweiten erkennen, als sie ihre kleine Schnäbel über den Horstrand hinaus in die Höhe reckten.
Nun werden sie von beiden Altstörchen mehrmals am Tag mit Futter versorgt, wobei immer ein Altstorch zur Sicherung am Horst verbleibt.
Noch sind die Jungvögel nicht voll befiedert und müssen vor den immer noch herrschenden, kühlen Temperaturen, vor allem in der Nacht und bei Regen geschützt werde. Dazu sitzt dann immer wieder für längere Zeit ein Altstorch im Horst und wärmt die Jungstörche mit seinem Gefieder. Das Brustgefieder der Altstörche ist jetzt immer noch etwas verschmutzt und deswegen deutlich erkennbar braun gefärbt, da im Horst jetzt Nahrungsreste und der Kot der Jungstörche herumliegen. Fleißig sind die Altstörche bemüht, im Horst für Sauberkeit und damit Trockenheit zu sorgen, in dem sie immer wieder den Kot und Futterreste im hohen Bogen aus dem Horst schmeißen. Sie bringen nicht nur frisches Futter, sondern auch trockenes Nistmaterial, wie z.B. Altgras zum Horst hinauf, um für eine trockene Unterlage im Horst zu sorgen. Anfangs brauchen die Jungstörche kleine Futterbröckchen. Da die langen Storchenschnäbel denkbar ungeeignet sind, um Nahrung zu zerkleinern, bringen die Altstörche in der Anfangszeit kleines Getier, wie z.B. Würmer und Insektenlarven den Jungstörchen zum Fraß mit oder sie würgen von ihnen schonmal verschluckte Nahrung angedaut wieder aus, damit es in die kleinen Schnäbel passt.
Wie geht`s nun weiter am Storchenhorst?


Nahrung in Form von Kleingetier bis zu Größe eines Maulwurfs werden die Altstörche in ihrem großen Revier um Steinach herum wohl ausreichend finden. In 1 - 2 Wochen werden die kleinen Jungstörche stehen können und dann kann man sie gut im Horst erkennen. Die Altstörche können bald größere Beutetiere, wie Mäuse und Frösche den Jungtieren bringen. Die Jungstörche werden in ca. 3 Wochen beginnen mit den Flügeln zu schlagen, um ihre Muskeln zu trainieren, Mitte Juni stehen die ersten Flugversuche an, dabei versuchen sie mal kurz gegen den Wind oben am Horst nur ganz leicht abzuheben, um das Gefühl zu bekommen in der Luft getragen zu werden. Ende Juni sollten die Jungstörche flügge sein. Dann können sie die Eltern endlich begleiten hinaus in die Mooswiesen oder hinter ins Steinachbachtal, um zu Lernen selbst nach Futtertieren zu suchen. Wir werden sie dann sehen, wie sie nahe hinter den Erntemaschinen oder den pflügenden Traktoren herschreiten, weil dort leichte Beute auf sie wartet.
Bis dahin ist zu hoffen, dass es keine lange andauernde Regen- und Kälteperioden oder vehemente Stürme, die den Horst gefährden könnten, geben wird.

Dr. Thomas Grundler
Horstbetreuer des LBV


  2. März 2021

Unser Steinacher Storchenpaar ist wieder da! Eigentlich waren die beiden Altvögel gar nicht weggeflogen. Mitte August 2020 waren die beiden, letztes Jahr erfolgreich aufgezogenen Jungstörche in einem Trupp von über 10 Störchen auf die Reise ins Winterquartier nach Afrika (oder nur Spanien?) losgeflogen. Die beiden Altstörche blieben hier und waren fast den ganzen Winter am Horst oder auf den Wiesen und Feldern in der Nähe von Steinach zu beobachten. Schon lange weiß man, dass die Kälte den Störchen nichts anhaben kann. Solange der Boden offen und nicht hartgefroren ist und finden die Störche auch noch Nahrung . Die Klimaänderung mit immer kürzer werdenden Perioden mit strengem Frost in unserer Gegend nutzen immer mehr Störche. Sie  machen sich nicht mehr auf den langen, beschwerlichen und gefährlichen Weg in ihre Winterquartiere in Afrika, sondern bleiben hier in Süddeutschland. Wenn es dennoch ein paar Tage starken Frost hat, weichen sie aus und fliegen nur noch bis zum Bodensee, der schon sehr lange nicht mehr zugefroren war, oder in die Rheinebene bei Freiburg. Sobald es wieder schnee- und frostfrei ist, kommen sie rasch in ihre angestammten, hiesigen Brutreviere zurück. So machten es unsere Steinacher Altstörche erstmals heuer auch. Noch nie war bis Anfang Januar ein Storchenpaar in Steinach geblieben. Lediglich vom 7. Januar, als die Kältewelle kam mit starkem Frost um - 10/12 Grad und ordentlich Schnee fiel, waren beide Störche plötzlich verschwunden. Am 1. Februar erschien der erste Storch wieder putzmunter am Horst und am 4. Februar folgte ihm der Zweite. Wo genau die beiden waren, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich sind sie nur bis zum Tierpark nach Straubing geflogen und haben sich dort die drei Wochen im Freigehege für die Stelzenvögel zusammen mit den Flamingos durchfüttern lassen. Vielleicht sind sich auch kurz zum Bodensee geflogen, für Störche nur eine Flug von 2 Tagen.

Am 21. Februar, das war der zweite warme Tag mit frühlingshaften Temperaturen, kam es sofort zu den ersten Betretungen oben am Horst. Das heißt, die beiden mögen sich und wir Steinacher können wieder hoffen, dass sie bald ihre 3 - 5 Eier legen. Bebrütet werden die Eier von beiden Elterntieren über ca. 32 Tage. Wenn man jetzt Anfang März raufschaut zum Horst am ehemaligen Brennereischlot, sieht man beide Störche im Horst stehen, das heißt , es wird noch nicht gebrütet. In den nächsten Tagen, spätestens Mitte März, ist zu erwarten, dass wir nur noch einen Storch im Horst stehen sehen. Der zweite sitzt dann, von unten kaum zu erkennen, auf den Eiern, nur manchmal sieht man seinen Kopf. Mit einem Fernglas kann man noch am besten in den Horst oben am Ende der Hafnerstraße hineinschauen. Ab dieser Zeit sieht man draußen auf den Feldern auch immer nur einen einzelnen Storch, der zweite muss auf den Eiern sitzen bleiben. Damit beide Altvögel ihre Nahrung aufnehmen können, wechseln sich die beiden Elterntiere mehrfach am Tag beim Brüten ab.

Bis dahin brauchen wir noch etwas Geduld, aber es sieht gut aus, dass auch 2021 im Steinacher Storchenhorst wieder ein, zwei, drei oder sogar vier Jungstörche aufgezogen werden.

 Dr. Thomas Grundler

Storchenhorstbetreuer des LBV